Stalk me Baby!
Ihre Beziehung war kurz, intensiv und eine Katastrophe. Streit, Eifersuchtsanfälle und andere Frauen standen an der Tagesordnung - von einer harmonische Beziehung waren sie weit entfernt. Zwar mochte sie ihn wirklich gerne, aber wenn die negativen Aspekte in einer Beziehung derart überwiegen, dann ist auch das irgendwann einfach nicht mehr genug.
Schon am Anfang ihrer Beziehung kam es zu Situationen, bei welchen die Alarmglocken lauter läuteten als Big Ben. Sie aber stand vom ersten Augenblick an völlig unter seinem Bann und hätte die Warnhinweise nicht mal gesehen, wenn man sie ihr auf die Stirn getackert hätte.
Sie konnten nie zusammen ausgehen, ohne dass er grundlos eine Szene veranstaltete, sie dabei verbal und gelegentlich auch körperlich angriff. Er machte sie wieder und wieder öffentlich zur Schnecke, attackierte fremde Leute aus dem Nichts, ließ sie alleine stehen, lief weg oder flirtete vor ihren Augen mit anderen Frauen.
Brachte sie mal die Kraft auf und zeigte seinen Eskapaden und ihm die kalte Schulter, hielt sie ihren Selbstwert hoch und trotzte seinem Ego, dann kam er bald schon wie ein Häufchen Elend angekrochen, entschuldigte sich mit den süßesten Worten und Gesten, kaufte ihr Blumen, schrieb Liebesbriefe und machte mit Musik unterlegte Kurzvideos, in denen er über ihre unvergleichbare und besondere Liebe schmalzte – und sie schmolz meist dahin.
Ignorierte sie aber auch diese Schleimereien, dann kam es vor, dass er in seinem Auto vor ihrem Haus stundenlang „campierte“, auf ihrer Arbeit aufkreuzte oder überall dort zu sehen war, wo sie auch war.
Eines Abends – sie waren wieder mal im „OFF-Modus“ – war sie mit Freunden in einer Bar und amüsierte sich richtig gut. Sie trank, lachte, tanzte und war offen für kleine, harmlose Flirts. Plötzlich hatte sie ein komisches Gefühl im Nacken. Es war, als ob sie jemand beobachten würde – und nicht auf die gute Weise. Sie wurde immer nervöser und auch ihre Freunde bemerkten ihre Unruhe. Diese versuchten sie zu beruhigen und versicherten ihr, dass sie sich das nur einbilden würde und sie von seiner Tyrannei bestimmt schon „einen Wahn“ entwickelt habe.
Dann aber sah sie etwas im Augenwinkel. Da stand er. Wütend, mit einem Blick, bei dem sich einem der Magen zusammenzog und sie hätte schwören können, das Knirschen seiner Zähne zu hören.
Sie wusste, das verhieß nichts Gutes. Hatte sie doch Spaß – ohne ihn. Mit anderen Menschen – mit anderen Männern. Und leider sollte sie recht behalten. Zu gut kannte sie ihn und seinen Zorn. Flippte er doch schon so oft wegen viel weniger aus.
Ihre beste Freundin brachte sie nachhause und begleitete sie auf einen Drink in ihre Wohnung. Auch diese wusste schon zu gut, was in dieser Nacht noch zu erwarten war.
Es dauerte nicht lange und es läutete an der Tür. Er. Sie versuchten ihn abzuwimmeln und drohten sogar damit, die Polizei zu rufen, sollte er das laute Hämmern an der Tür, das Sturm-Läuten und das Geschrei vor ihrem Haus nicht unterlassen – vergebens.
Als er vor ihrer Türe in sich zusammensackte, in Tränen ausbrach und wimmerte wie ein geschlagener Welpe, gaben sie nach und ließen ihn doch herein – ein Fehler.
Er fing an, Gegenstände herumzuschmeißen, schrie wie ein Verrückter und erweckte den Eindruck, als würde er gleich auf sie losgehen. Während sie mit den Nerven schon völlig am Boden war und starr vor Angst, blieb ihre Freundin relativ unbeeindruckt und bot ihm die Stirn. Diese konnte ihn sogar aus der Wohnung schaffen und beruhigte anschließend ihre aufgewühlte Freundin.
So und so ähnlich verlief auch die restliche Zeit der Beziehung. Streit – Terror – Wahnsinn – Versöhnungssex – noch mehr Streit – noch mehr Wahnsinn – noch mehr Versöhnungssex... und sein Stalking-Verhalten nahm unbeschreibliche Formen an.
Befanden sie sich in einer „OFF-Phase“, konnte sie sich zuhause weder frei bewegen noch auf ihrer eigenen Terrasse entspannen, da er immer wieder auftauchte, Tränen und Beleidigungen abwechselnd versprühte und kurzerhand verschwand, nur um 20 Minuten später wieder vor ihr zu stehen und weiteren Terror abzuladen. Er kletterte über ihren Zaun, stand plötzlich vor ihren Fenstern, rief sie ununterbrochen an – hier waren 80 Anrufe in einer Stunde keine Seltenheit – und suchte auf jede nur vorstellbare Art Kontakt zu ihr.
Wurde sie dann schwach und gab ihrer Liebe (wieder) eine „letzte“ Chance, dauerte es nicht lange und alte Muster durchzogen ihren Alltag. Er machte sie wegen jeder Kleinigkeit fertig, seine Beschimpfungen und Beleidigungen wurden heftiger und er betrog sie immer offensichtlicher mit anderen Frauen. Wobei seine Ausreden, Lügen und Erklärungen auch immer mieser wurden und sich sogar die Gebrüder Grimm mittlerweile vor Lachen im Grabe wälzten.
Nach über einem Jahr Drama, schaffte sie dann den Absprung und löste sich endgültig von ihm. Umso größer war die Freude, als er schließlich auch eine neue Freundin fand und das Stalking aufhörte.
Nun ist er nicht mehr ihr Problem. Zumindest meistens nicht.
Manchmal meldet er sich noch - schreibt ihr oder ruft an, singt Liebesbekundungen, bittet sie um eine weitere Chance, fährt bei ihrer Arbeit oder bei ihr Zuhause vorbei oder schreibt sie bei Instagram mit Fake-Profilen an. Aber das ist doch alles harmlos, oder?!
Also Ladies, denkt immer daran:
„Egal wie sehr ihr einen Mann haben wollt – irgendwo sitzt eine Frau, die einen darauf trinkt, dass sie ihn los ist!“ Prost!
Ich tu dir weh
Spätestens seit „50 Shades of Grey“ gehören Handschellen, Analplugs und Flogger zur Standardausrüstung eines Schlafzimmers. Fesselspiele wurden zur Normalität, harter Sex ersetzte die Missionarsstellung und jemanden dabei Schmerzen zuzufügen wird sogar erwartet – oder anders gesagt: wenn es nicht weh tut, ist es schlechter Sex!
Noch bevor BDSM standardisiert wurde und der Besuch im Dark-Room das perfekte erste Date darstellte, wollte sie mehr über Sexualität, Erotik und Fetische erfahren. Sie gierte nach Wissen und wollte alles über Vorlieben, Neigungen und Techniken erfahren. Über Menschen, die sich gegenseitig Kakteen ins Rektum stopfen und nahe am Erstickungstod den ultimativen Höhepunkt erreichen. Über Frauen, die es lieben, ihre Brüste grün und blau prügeln zu lassen und über Männer, die verdammt viel Geld bezahlen, nur um bei einem Gang Bang Schlange zu stehen und an 86. Stelle in oder auf eine Frau zu ejakulieren.
Doch viel interessanter fand sie die Frage, warum so viele Paare kaum bis keinen Sex mehr haben, sexuell frustriert vor sich hinleben und sich lieber gegenseitig betrügen, als über ihre Fantasien und Vorlieben zu sprechen.
Wo sollte sie nur anfangen? Ist Vanillasex das Problem? Der übermäßige Pornokonsum? Oder mangelt es den Menschen tatsächlich immer noch an Aufklärung und Aufgeschlossenheit? Immerhin kennt sie Paare, bei denen immer das Licht aus sein muss und welche, die sich noch nie nackt sahen. Lag es an dem durch den Alltag erloschenen Feuer? An verflogener Verliebtheit oder schlimmer noch: war ihre Liebe tot? Wenn ja, warum war sie tot? Starb sie vor oder nach der Lust?
Also was ist in manchen Betten der Lustkiller? Was verdirbt den Spaß an der schönsten Nebensache der Welt und warum kann man in der heutigen Zeit noch immer nicht offen darüber sprechen? Und noch spannender: Was gibt es, wer macht das, mit wem, wie oft und warum?
Sie las jeden Sexratgeber, jedes (Sex)Buch, welches ihr in die Hände fiel, verschlang einen sexologischen Schmöker nach dem anderen und dann startete sie ein Sexperiment.
Sie schnappte sich sexy Unterwäsche, ein paar Freundinnen und machte sich auf den Weg in einen Swingerclub. Überraschenderweise war die Atmosphäre beinahe die einer normal Bar. Das Publikum war bunt gemischt, neben der Bar stand ein Fernseher, in dem ein Schmuddel-Filmchen lief, die Gäste unterhielten sich ganz normal, lachten, tranken und gelegentlich verschwanden welche paarweise oder in Gruppen in den hinteren Bereich des Clubs.
Dort gab es verschiedene „Themenbereiche“ und aus einigen Ecken hörte man jemanden stöhnen oder vor Lust aufschreien. Man konnte bei vielen zusehen oder wurde eingeladen mitzumachen und hier und dort stand ein wichsender Mann.
Als Frau könnte man sich dort zwar ein wenig als der Rattenfänger von Hammel fühlen, da man kaum einen Schritt durch den Club machen kann ohne einen Rudel Männer hinter sich herlaufen zu haben, aber daran gewöhnt man sich schnell.
Sie lernte im Club viele interessante Menschen kennen und stellte ihnen 1000 Fragen, welche jeder ganz offen beantwortete. Viele der Gäste waren langjährige Ehepaare, die das Swingen und die freie Liebe als Geheimrezept einer glücklichen Ehe für sich entdeckt haben. Andere waren solo dort und hofften auf den Sex ihres Lebens, wieder andere kamen in ganzen Gruppen angereist und waren offensichtlich sehr vertraut untereinander und dann gab es noch die BDSM-Abteilung: Dominas stolzierten mit ihren in Latex eingehüllten Sklaven an der Leine durch den Club, Doms ließen sich von wunderschönen Frauen die Füße sauber lecken und im SM-Raum hing eine gefesselte, nackte Frau mit einem riesigen rotierenden Dildo in ihrer Vagina an einem Kreuz und sah einer Domina sehnsüchtig zu, wie diese gerade einen Mann am Gyn-Stuhl bearbeitete.
Sie beobachtete gespannt und fasziniert die Szene und wusste, sie muss und will mehr über diese Welt erfahren.
Nach etwas Recherche fand sie im Internet die Homepage einer Domina-Akademie und sie meldete sich kurzerhand an.
Am Parkplatz wurde sie schon von ihrem geborgten Sklaven – für welchen sie der Domina 20 Euro Leihgebühr bezahlte – erwartet. Er trug ihr Gepäck, führte sie sicher die Treppen ins Studio hinab, verbeugte sich ständig ehrfürchtig und hielt seinen Blick immer gesenkt, ohne ihr zwischenzeitlich auch nur einmal in die Augen zu sehen. Das gefiel ihr!
Erst folgte der theoretische Teil und dieser war mehr als umfangreich. Es wurden nicht nur sämtliche Methoden zu Belohnung/Bestrafung des Subs erklärt, sondern auch die menschliche Anatomie, wie die Nervenbahnen verlaufen, welche Bereiche des Körpers tabu sind und welche Gefahren es gibt. Eigentlich hatte sie sich das alles etwas weniger „Uni-mäßig“ vorgestellt (eher lustig und versaut), doch ihr war auch mittlerweile klar, welche Verantwortung eine Mistress trägt.
Und nach vielen, vielen Stunden staubtrockener Materie, folgte der amüsante Teil: die Praxis!
Doch auch hier waren sich Vorstellung und Realität nicht ganz einig und sie merkte bald schon, dass es auch hier viel zu beachten gab und es leichter aussah als es tatsächlich war.
Jede „angehende“ Domina hatte ihren eigenen Sklaven mit (bei allen der eigene Partner) und waren daher gut eingespielt. Sie aber hatte nur einen Leih-Sklaven und dadurch fiel es ihr nicht ganz so leicht sich vollkommen dem Spiel hinzugeben.
Alle übten sie an ihren Sklaven die vielen Techniken aus, machten sich mit der großen Auswahl an Werkzeugen und Spielsachen vertraut und durften am Schluss – wenn sie wollten – in einem Separee verschwinden und dort alleine weiterspielen.
Sie entließ ihren Sklaven an seine Domina – welche sich noch ausgiebig um ihn kümmerte und ihm seine Belohnung gab. Währenddessen ging sie an die Bar und gönnte sich ein paar Gläschen Sekt.
Für später stand noch der klinische Teil am Programm, an welchem Sie jedoch nicht mehr teilnahm. Es war alles sehr viel und sie brauchte ein wenig, um die Eindrücke und Erlebnisse der letzten Tage zu verarbeiten.
Aber sie war mit ihrer Reise noch lange nicht am Ende angelangt. Sie brauchte mehr – zu viele Fragen waren noch offen.
Ihr nächster Weg führte sie zu einem Bekannten, welcher ein Bordell betrieb. Sie durfte mit ihm zu seinem Nachtclub fahren und mit den Damen an der Bar quatschen. Die Ladies waren alle supernett, bildhübsch und hatten teilweise Körper zum Niederknien – gewiss aber war für jeden Männergeschmack und Wunsch etwas dabei und es blieben bestimmt keine Träume unerfüllt.
Sie war überrascht zu hören, dass viele der Frauen ihren Job tatsächlich genossen und sich nicht vorstellen konnten, einer anderen Tätigkeit nachzugehen. Sie hörte Dinge wie: „leicht verdientes Geld“, "man stumpft ab", "irgendwann ist es wie Haare schneiden", "es ist förderlich wenn man schauspielerisches Talent besitzt", "man lernt die Menschen lesen" und sie erfuhr auch die traurige Wahrheit, dass viele Männer einfach nur verdammt einsam waren und ein Gespräch mit Streicheleinheiten manchmal schon genügte, um den Mann glücklich zu machen.
Andere Gäste wiederum brauchten das volle „dreckige“ Programm – richtigen Pornosex. Hier konnte sie sich nicht mehr vorstellen, dass es sich um „leicht verdientes Geld“ handelte, da den Liebesdienerinnen hier schon gewaltig was abverlangt wurde und sie für ihre körperlichen Leistungen nur zu bewundern waren.
Die Kunden waren eben so bunt sortiert wie die Damen – vom Geschäftsmann, dem unscheinbaren Familienvater, dem Landwirt, dem Universitätsprofessor, dem 80 jährigen Mann oder dem 18 jährigen Jüngling war alles und viel mehr dabei.
Sehr oft kamen die Männer auch in Gruppen und feierten einen ausgelassenen Männerabend mit viel Alkohol, vielen Damen und noch anderen Dingen. Sie ließen enorme Summen an Geld im Club und die Ladies verdienten sich mit solchen Gästen ein sehr gutes Sümmchen. Sie bekamen viel Trinkgeld, wurden für den (mal mehr, mal weniger harmlosen) Lapdance und anderen Dienstleistungen gut bezahlt und waren am Umsatz, welcher mit dem Champagner gemacht wurde, beteiligt.
Den Club verließ sie mit einer völlig neuen Einstellung und vielen neuen Fragen.
Ihr nächster Weg führte sie zu einem Freund (ein attraktiver Mann, guter Job, nett und bestimmt jeder Schwiegermutters Liebling), von dem sie wusste, dass er käufliche Liebe bevorzugte und auch ein Fan von ausgiebigen Sexreisen war. Sie musste von ihm erfahren, warum er lieber Single war und seine Sexualität auf diesem Weg auslebte.
Seine Antworten waren wenig überraschend. Er hatte die Schnauze voll von Frauen, welche sich im Laufe der Beziehung gehen ließen, im Bett leidenschaftslos waren und nur steif wie ein Brett dalagen. Von Frauen die sich von Männern emotional und finanziell abhängig machten und von Frauen, die ständig nur am Nörgeln waren und einen Menschen um jeden Preis verändern wollten (auch wenn sie ihn so kennen- und lieben lernten) und denen nichts genug war.
Sie konnte ihn sehr gut verstehen.
All die Eindrücke und Informationen, welche sie auf ihrer Reise durch den Sex der Menschen sammelte, die unterschiedlichsten psychologischen, sexologischen, anthropologischen und unlogischen Fachliteraturen, die sie sich reinzog und die vielen tollen Menschen die sie traf, gaben ihr folgende Erkenntnis:
Es gibt kein Geheimrezept, keine allgemeine Antwort und kein Patent. So lange es für alle Beteiligten passt, die Menschen Spaß haben, niemand leiden muss und es selbstverständlich im legalen Bereich bleibt, gibt es kein „Richtig oder Falsch“, kein „pervers“ und kein Problem!
Wenn man selbst oder der Partner ungewollt körperlich oder emotional darunter leidet, wird es Zeit sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und nach einer Lösung zu suchen, welche für jeden passt.
Leider konnte sie den ultimativen Sex-Schlüssel nicht finden, aber sie hatte extrem viel über sich selbst und andere gelernt und kann jedem nur empfehlen, sich auf eine Reise durch die bunte Palette der schönsten Nebensache der Welt zu begeben und seiner Libido offen zu begegnen.
„Bei gutem Sex ist es egal wer oben und wer unten liegt.
Bei gutem Sex weiß man nicht mehr wo oben und unten ist!“
Der Narzisst in meinem Bett
„Du bist meine Traumfrau.“ „Ich habe mein ganzes Leben auf dich gewartet.“ „Egal wie alt wir werden – du wirst für immer die schönste Frau der Welt bleiben.“ Schöne Sätze. Diese hörte sie in den ersten 3 Monaten ihrer Beziehung immer wieder. Doch manchmal konnte sie diesen Worten keinen Glauben mehr schenken, da sie einfach nicht zu seinen Taten passten und irgendwann wollte sie diese auch nicht mehr hören. So kam es schließlich auch!
Plötzlich waren es Sätze wie: „Du hast ja psychische Probleme!“ „Was du dir alles einbildest. Das hab ich nie getan.“ „Ich würde mal was gegen deine Unsicherheit machen.“ „Du bist das Problem – nicht ich.“ Und irgendwann war ihre Wahrnehmung systematisch so manipuliert worden, dass sie nur noch an sich selbst zweifelte.
Zuckerbot und Peitsche war seine Devise. Sobald er merkte, dass sie wieder mental stärker wurde und ihm aus den Händen zu gleiten drohte, gab er alles, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab und wurde zum verkörperten Traum jeder Frau – nur um sie kurz darauf wieder fertig zu machen und ihre Gefühle zu zertrampeln.
Dieses Spiel ging viele Monate so weiter. Monate, in denen sie glaubte, ihren Verstand zu verlieren und verrückt zu werden.
Er tischte ihr ständig Lügen auf – log bei Kleinigkeiten, verrannte sich laufend in seinen eigenen Lügen und verstrickte sich immer wieder in Widersprüchen. Sprach sie ihn darauf an, setze er - typisch Narzisst - sein "Gaslighting" ein und es folgten Argumente wie: „Das hab ich nie gesagt, das warst du!“ „Warum verdrehst du alles!?“ „Was willst du mir jetzt wieder anhängen?“ „ Du machst alle kaputt!"
Konnte sie eine seiner Lügen aber so aufdecken, dass er keinen Ausweg mehr fand und kein Schlupfloch mehr greifbar für ihn war, waren natürlich die anderen schuld. Eigentlich waren es sowieso IMMER die anderen. Er war nur das unschuldige Opfer, derjenige, der die anderen schützen und nicht verraten wollte – oder noch schlimmer: die anderen wollten ihm was anhängen, weil alle neidisch auf ihn - auf sie - waren.
Oh ja, er beherrschte dieses Spiel perfekt. Langsam hasste sie jeden Menschen in ihrem Umfeld. Jeden, der in irgendeiner Form eine Rolle in ihrer Beziehung spielte oder es wagte, diese in Frage zu stellen. Und umgekehrt war es auch so. Er hatte natürlich – einem Narzissten würdig – seine Handlanger, welche für ihn die Drecksarbeit machten.
Diese wurden von ihm mit falschen Stories gefüttert, angestachelt und so in Form gebogen, dass sie ihr - und jedem anderen, von dem er es wollte – nicht gut gesinnt waren. Sie behandelten sie wie den letzten Dreck, verbreiteten Lügen und Gerüchte für ihn, machten ihr – wenn von ihm gewünscht – das Leben so schwer wie möglich, stalkten und terrorisierten sie und das Schlimmste: sie sahen nicht, was er tat, wer er war und glaubten ihm jedes Wort.
- Der Narzisst beherrscht seine Mitmenschen und weiß genau was er ihnen geben muss, um das zu bekommen und zu erreichen, was er will. -
Damit seine Taktik unerkannt blieb, gab er sich in der Öffentlichkeit ihr gegenüber sehr liebevoll, ja, er himmelte sie förmlich an – nur um allen zu zeigen, was er alles für sie und ihre Beziehung gab.
Und sie? Sie wurde langsam verrückt. Sie wusste nicht mehr, was sie tun oder sagen konnte, um ihren Ruf zu verteidigen und ihre Meinung zu vertreten. Aus ihr wurde eine Meisterin der Verdrängung und sie übte sich in Schweigen. Erlaubte sich immer seltener, sich zu verteidigen, etwas zu sagen oder gar zu widersprechen. Fraß alles in sich hinein, legte über 10 Kilo an Gewicht zu und verlor ihr Strahlen. Sie war kaputt!
Als sie schließlich überhaupt keine Lebensfreude mehr verspürte und sie nur noch unzufrieden und unglücklich war, machte er einen großen Fehler.
Sie war am Boden, er hatte sie schon dort, wo er sie haben wollte und doch musste er noch einmal nachtreten - mit dem Satz: „Hol dir mal professionelle Hilfe, du Verrückte!“
Und nicht anders zu erwarten, gehorchte sie.
Sie holte sich die Hilfe einer Psychotherapeutin. Arbeitete ein Thema nach dem anderen mit ihr auf und nach einiger Zeit kam langsam, aber spürbar ihre Stärke zurück.
Dies gefiel dem Narzissten so gar nicht und er musste etwas gegen diesen ungewollten und ärgerlichen Wandel unternehmen.
Er gab alles! Steigerte seine Ekelhaftigkeit ins Unbeschreibliche, der Mix aus "heiß und kalt" wurde noch extremer und er holte sich natürlich die Hilfe seiner Handlanger. Für seine einzigartigen Märchengeschichten verdiente er sich wirklich den Namen „Lügenbaron“ und seine Anfälle von Selbstherrlichkeit waren filmreif.
Doch sehr zum Ärger des Narzissten, schaffte er es diesmal nicht mehr sie „klein“ zu kriegen und nach seinem letzten großen Auftritt als Arschloch, beendete sie die Beziehung, kehrte ihm, seinen Lügen und seiner Dienerschaft den Rücken und lebt heute glücklicher als je zuvor, ist stärker als sie jemals war und kann mittlerweile über ihre Vergangenheit und all den Wahnsinn lachen.
Gebet eines Narzissten:
Das ist nie passiert. Und wenn es passiert ist, war es nicht so schlimm. Und wenn es das doch war, war es nicht meine Schuld. Und wenn doch, meinte ich es nicht so. Und wenn doch, dann bist DU schuld!
Tinderella & der Märchenprinz
Seit 3 Jahren Single und in einer Welt die sich gerade etwas anders dreht, draußen Lockdowns, Ausgangssperren, Sperrstundenregelungen und Impfdebatten im Fokus liegen, versucht sie jemanden online kennenzulernen. Also legt sie ein Profil an, wählt ihre besten Fotos aus, überlegt sich einen tollen Text und swipet sich durch den Männerkatalog.
Die ersten Vorschläge sind gar nicht mal so schlecht, den ein oder anderen wischt sie auf die rechte Seite und auch die ersten Matches lassen nicht lange auf sich warten.
Da ist zB Tom – 36 Jahre alt, 192 groß, dunkelhaarig, durchtrainiert, meeresblaue Augen mit einem Blick, der jeden BH aufspringen lässt! Er ist Manager, liebt Tiere, Musik und kocht gerne.
Oder Steve – 33 Jahre jung, 188 groß, ein volltätowierter hotty-Mc-hot! Er hat wunderschöne Zähne, welche bei einem Lächeln hervorblitzen, das Elvis neidisch gemacht hätte und er mag die gleichen Dinge wie sie -und er ist auf der Suche nach der wahren Liebe und möchte keine ONS.
Und dann wär da noch Kurt – er ist 41 Jahre alt, 182 groß, sieht sportlich und sehr attraktiv aus, ist selbstständig, geschieden, Vater einer 9 jährigen Tochter und Hundebesitzer. In seiner Freizeit reist er gerne, klettert ständig auf irgendwelche Berge oder radelt in viel zu engen Shorts im ganzen Land herum.
Tinderella bekommt langsam die ersten Nachrichten ihrer Prinzen: „Hey wie war dein Tag?“, „Wow, tolle Bilder – bekomm ich mehr?“, „Hallo! Danke für dein Like, freut mich sehr. Was machst du beruflich? Bist du wirklich Single? Wollen wir Nummern tauschen?“
Sie beantwortet und stellt Fragen, löst unpassende Matches wieder auf und verabredet sich sogar zu einem Date.
Ihr Favorit ist Kurt. Was für ein toller Mann – dass so einer Single ist!? Glücksgriff!
Die anderen Typen entpuppen sich einer nach dem anderen als Sexritter mit eigenartigen Fetischen. Fast alle schicken Portraits ihrer Penisse und wollen auch von ihr „mehr“ Fotos – was für eine Zeitverschwendung.
Der Samstag naht und somit auch das Date mit Kurt - der Klassiker: ein Spaziergang am See.
Sie ist wahnsinnig aufgeregt und weiß nicht so recht, was sie anziehen und welchen Style sie wählen soll. Schließlich entscheidet sie sich für einfache aber gutsitzende Jeans, welche ihre Vorzüge betonen, ein schlichtes weißes T-Shirt und einen sportlichen Blazer, der ihre Augenfarbe extra betont. Dazu eine kleine Umhängetasche und Ballerinas. Die Haare trägt sie zu einem lässigen Pferdeschwanz gebunden und das Make-Up ganz natürlich, mit betonten Wimpern zum Klimpern. Top! Los geht’s!
Als sie beim See ankommt, wartet Kurt schon. Sie begrüßen sich mit einem Küsschen links und rechts auf die Wange und schon jetzt ist sie froh, keine höheren Schuhe zu tragen, denn Kurt ist definitiv keine 1,82 m… naja, zumindest ist er etwas größer als sie.
Er sieht nicht schlecht aus. Zwar dürften die Fotos seines Profils schon etwas älter sein, da sein Haar etwas dünner wirkt und vom sportlichen Körper sind auch nur noch Ansätze zu sehen, aber trotz allem immer noch ein sehr attraktiver Mann. Und er riecht unglaublich gut! Vertraut. Sie kennt den Duft. Verdammt!
Während sie am Seeufer entlang gehen, nimmt die Unterhaltung langsam Fahrt auf. Es stellt sich heraus, dass der Hund nicht ihm gehört – sondern seiner Exfrau. Aber er passt regelmäßig auf ihn auf. Und überhaupt scheint seine Exfrau sehr präsent in seinem Leben zu sein. Sie sind beste Freunde, treiben zusammen Sport, besuchen Veranstaltungen und leiten gemeinsam eine kleine Firma (ein 2 Personen Unternehmen)… seinen Erzählungen nach die beste Frau überhaupt. Verdammt!
Seine Tochter – offensichtlich das tollste Mädchen der Welt, bestens erzogen und hoch intelligent – spielt 2 Instrumente und spricht mit 9 Jahren fast fließend Englisch, geht jeden Tag brav um 19 Uhr ins Bett, liest täglich ein Buch, isst nichts Süßes (aber jedes Obst und Gemüse), hat 2x wöchentlich Tennisunterricht und jeden Samstag Reitunterricht. Fernsehen oder Computerspiele sind absolut tabu und sie schreibt natürlich nur Einsen in der Schule.
Momentan wohnt Kurt in einer kleinen Mietwohnung, da er seiner Tochter und Exfrau das Haus überließ. Das schicke Auto will er auch nicht, da er mit seinem Firmenwagen (ein kleiner Lieferwagen) ohnehin viel lieber fährt.
Und auch wenn sich Kurt in seinem Profil nicht ganz so detailliert beschreibt, so scheint er doch sehr ehrlich und offen zu sein – und sympathisch.
Das erste Treffen geht zu Ende und man bleibt in Kontakt. Man telefoniert, schreibt und trifft sich noch ein paar Mal zum Spaziergang und sogar die ersten Küsse werden ausgetauscht.
Der große Abend naht. Kurt plant ein selbst gekochtes Essen in seiner Wohnung und ladet zum anschließendem „Kuscheln und Quatschen“ ein.
Das Essen ist ganz okay – etwas wenig und mild gewürzt, aber wer möchte an so einem Abend schon einen Blähbauch und Mundgeruch vom Knoblauch.
Kurts Küsse sind auch in Ordnung. Nicht leidenschaftlich und umwerfend, aber weich und rhythmisch.
Aus einer Schmuserei wird schnell ein ungehemmtes Fummeln und schnell sind beide nackt und bereit.
Sein Penis entpuppt sich als überdurchschnittlich klein – aber schließlich macht’s ja die Technik, oder!? Blöd nur, wenn die Technik nicht genügend ausgereift ist und das Gespür für den weiblichen Körper absolut fehlt. Verdammt!
Nach wenigen Stößen ist die Sache erledigt und Kurt ist sichtbar stolz auf seine Leistung. Und auch wenn sie nicht mal annähernd an den Rand des Höhepunkts kommt, so weiß sie jetzt um ihre Lage bescheid und sowieso… das erste Mal ist doch nie gut, oder!?
Man trifft sich weiter, hat zwar weiterhin schlechten Sex zusammen (in der Hoffnung, dass das schon noch stimmig wird) und man versteht sich überraschend gut. Sie lachen viel, entdecken immer mehr Gemeinsamkeiten und es entwickeln sich auch langsam sowas wie Gefühle.
Bald schon lernt sie auch seine Tochter und Exfrau kennen: die Tochter – eine verwöhnte kleine Göre – die weder Grüßen kann, noch die Worte „Bitte“ und „Danke“ im Sprachgebrauch hat und nur am Nörgeln ist, ist das absolute Ebenbild ihrer Mutter – eine (und das kommt nicht aus einer Eifersucht heraus) arrogante, hochnäsige und eingebildete Ziege, die sich weder normal ausdrücken kann, noch über das kleinste bisschen Hausverstand verfügt. Leider macht sie optisch ziemlich was her und für ihre 40 Jahre sieht sie auch noch verdammt jung aus (sieht man mal von den gefilterten Instagram-Bildern ab). Verdammt!
Und auch wenn das erste Kennenlernen mit Tochter und Exfrau alles andere als prickelnd verläuft, so ist das noch nichts gegen das, was auf der Hand liegt - denn Kurt steht eindeutig unter den Pantoffeln seiner Damen und ist alles andere als „frei“.
Darum überrascht es auch nicht, dass Kurt die Treffen immer seltener ausfallen lässt und kaum noch Zeit hat – wenn, dann nur noch für schnellen, weiterhin schlechten Sex. Auch die Anrufe und Nachrichten werden immer weniger und bald schon, hört Tinderella gar nichts mehr von ihm. Verdammt?
Doch Zufälle gibt es immer wieder und sie trifft Kurt nach 3 Monaten Funkstille an einer Tankstelle. Er ist sichtlich verlegen und man begrüßt sich sehr angespannt. Sie führen belanglosen Smalltalk und überraschend öffnet sich Kurt. Er offenbart ihr sogar, es mit seiner Exfrau nochmal probiert zu haben. Diese schien plötzlich wieder sowas wie Gefühle für ihn zu haben und er meinte zu bemerken, dass das Verhältnis zwischen Tinderella und seiner beiden Damen ohnehin nicht so gut sei und eine Beziehung nie funktionieren würde. Zudem passen ihre Lebensumstände überhaupt nicht zu den seinen und auch für seine Tochter sei diese Verbindung suboptimal.
Tinderella hat die Online-Suche nach ihrem Märchenprinzen aufgegeben. Und Kurt... naja, wenn er nicht gestorben ist, dann datet er noch heute.